Journalist/in werden?
Die folgenden Informationen rund um die Themen Ausbildungswege und Berufschancen für angehende Journalistinnen und Journalisten stammen aus der DJV-Broschüre "Journalist/in werden? 2008/09", die über den DJV-Shop auch bestellt werden kann.
Ein staatlich festgelegtes Berufsbild wie für andere Berufe gibt es im Journalismus nicht. Auch die Berufsbezeichnung "Journalist" ist ungeschützt. Das hängt zusammen mit der Interpretation des Grundgesetz-Artikels 5. Demnach hat jede/r das Recht, eine Meinung in Wort, Bild und Schrift zu verbreiten – also auch journalistisch tätig zu werden. In aller Regel wird daraus (allerdings nicht unumstritten) abgeleitet, dass die journalistische Tätigkeit von keinen bestimmten Voraussetzungen abhängig gemacht werden darf, auch nicht von einer vorgeschriebenen Ausbildung. Der Deutsche Journalisten-Verband hat in einem "Berufsbild Journalistin/Journalist" zusammengefasst.
Eigentlich müsste es also ganz einfach sein, Journalist/in zu werden. Aber halt – keine voreiligen Schlüsse und Hoffnungen! Denn ohne eine anerkannte Qualifikation endet bereits der Versuch des Berufseinstiegs in der Sackgasse. Tatsächlich gibt es keinen festgelegten Weg in den Journalismus. Den Berufsinteressenten stehen theoretisch viele Wege offen: eine zweijährige Ausbildung ("Volontariat") bei Presse, Rundfunk oder Agentur, das Journalistik- Studium, der Besuch einer Journalistenschule, Magisterstudiengänge für Akademiker oder ein beliebiges Fachstudium in Verbindung mit dem Nebenfach Journalistik.
Viele Wege – begrenzte Chancen
Aber: Alle diese Möglichkeiten sind eng begrenzt. Das Überangebot an Bewerberinnen und Bewerbern hat zumindest bei den renommierten Ausbildungsstätten zu einer strengen Auswahl geführt: ein Numerus clausus bei Hochschulen, der dem eines Medizinstudiums entspricht, Testverfahren bei Journalistenschulen, an denen selbst langjährige Praktiker scheitern würden, und ein Anforderungskatalog für Volontariatsbewerber/-innen bei Presse und Rundfunk, den manche heutigen Chefredakteure oder Intendanten nicht erfüllen könnten.
Frühzeitig Kontakt zur Praxis
Folglich gibt es keine Patentrezepte für den erfolgreichen Start in den Beruf. Journalistische Motivation, Interesse an vielfältigen Kontakten mit anderen Menschen, Aufgeschlossenheit für neue Themen, Spaß am Lernen und die Fähigkeit, Sachverhalte rasch analysieren und anderen verständlich vermitteln zu können – diese persönlichen Qualifikationsmerkmale allein reichen nicht aus, um journalistisch tätig zu sein. Die Entwicklung im Journalismus und seine gesellschaftliche Bedeutung machen vielmehr eine fundierte schulische und akademische Ausbildung notwendig.
Gleichzeitig ist – parallel zu Schule und Studium – ein früher Kontakt zur Praxis zu empfehlen. Berufsinteressenten sollten ihre Vorstellungen vom Beruf mit dem journalistischen Alltag in Lokalredaktionen vergleichen. Denn dort beginnt für die meisten Journalistinnen und Journalisten das Berufsleben, und dort arbeitet die größte Berufsgruppe im Journalismus. Wer das Gespräch mit Lokaljournalisten sucht, erhält einen ersten Eindruck, der durch Redaktionsbesuche vertieft werden kann. Möglicherweise entwickelt sich daraus eine freie Mitarbeit. Mit solchen Startversuchen hat man meist in kleinen Außenredaktionen1) mehr Glück als in den Lokalredaktionen von Universitäts- und Großstädten.
Nicht auf nur einen Weg festlegen
Wer sich nach dieser "Schnupperphase" bewusst für den journalistischen Beruf entscheidet, sollte mehrgleisig vorgehen und alle Ausbildungsmöglichkeiten in Betracht ziehen. Obwohl die Bewerberzahlen häufig entmutigen: Der Versuch, an einer Journalistenschule anzukommen oder ein Journalistik-Studium zu beginnen, schadet nicht. Manchmal klappt es im zweiten oder dritten Anlauf. Auch Stellenanzeigen im DJV-Medienmagazin "journalist" und mit Arbeitsproben versehene persönliche Bewerbungsschreiben an Chefredaktionen sind nicht aussichtslos, wenngleich Tageszeitungen sich ihre Volontärinnen und Volontäre häufig aus dem Kreis eigener freier Mitarbeiter/-innen holen. Bei einigen Verlagen existieren lange Wartelisten für die Volontariatsplätze, und eine dem Volontariat vorangehende mehrjährige freie Mitarbeit ist die Regel: Laut einer jüngeren Untersuchung haben 85 Prozent der Volontäre zuvor als Freie gearbeitet – durchschnittlich länger als dreieinhalb Jahre.
Vorsicht bei dubiosen Angeboten
Vorsicht ist geboten: Manche freien Mitarbeiter/-innen werden als billige Hilfskräfte missbraucht. Viele Redaktionen sind unter besetzt, und Medienunternehmen arbeiten aus Kostengründen mit unterbezahlten Freien oder unbezahlten Praktikanten, denen ein Volontariat in Aussicht gestellt wird. Eine spätere Ausbildung ist damit aber keinesfalls garantiert. Und die angespannte Personalsituation in den Redaktionen lässt sich auf diese Weise nicht dauerhaft entschärfen. Vorsicht auch vor dubiosen Angeboten einer "Journalistenausbildung" außerhalb der Medien oder einer "Ausbildung", die den Begriff "Volontariat" meidet: Un- oder unterbezahlte Hospitanzen, Praktika oder Pauschalverträge, die von einzelnen Pressebüros, Anzeigenblättern, Pressestellen, Online-Redaktionen, aber auch von Zeitungen und Privatsendern angeboten und als "Journalistenausbildung" verkauft werden, mögen auf den ersten Blick besser sein als gar nichts. Eine Schmalspurausbildung bindet jedoch an den jeweiligen Arbeitgeber und führt damit zu Abhängigkeiten, die weder im Interesse des Einzelnen noch der Journalisten und ihres Publikums insgesamt liegen. Der DJV und seine Landesverbände können im Einzelfall Auskunft über konkrete Vertragsangebote oder potenzielle Ausbildungsstellen geben.
1) Anschriften aller Zeitungen – geordnet nach Titeln und Erscheinungsorten – sind im "STAMMLeitfaden für Presse und Werbung" bzw. im "Zimpel – Die deutschen Vollredaktionen, Teil 1: Zeitungen, Teil 2: Zeitschriften" in jeder Bibliothek einzusehen.




